(aus dem Film „ein bisschen Krieg für unseren Frieden“, Autor: Thomas Raabe)

Droht Krieg das Gehirn zu verseuchen?
Die Fähigkeit zum Krieg steckt in jedem, aber auch die Fähigkeit zum Frieden. Die Brutalität des Krieges können wir erlernen. Wie wir im Ernstfall wirklich reagieren würden, das wissen wir nicht. Doch wir brauchen uns nur an das Erbe unserer Väter und Vorväter erinnern. Im Krieg gibt es manche „Heilige“, eine ganze Reihe von „Mördern“ sowie sehr viele Menschen, die sich zwischen diesen Polaritäten bewegen und von den „mörderischen Umständen“ getrieben werden. Dieses Erbe steckt in uns Menschen und zwar weltweit. Es ist nicht an eine Nationalität gebunden. Das Erlernen dieser Fähigkeiten und dieser Verhaltensweisen erfolgt im Krieg oder in der Vorkriegsphase am schnellsten. Eine entscheidende Triebfeder sind „mörderische“ Instinkte, kombiniert mit Ängsten, seien sie rational oder irrational sowie unser Wertesystem. In der Seele schlummernde Feindbilder gewinnen mehr Platz im Denken. Die öffentliche Meinung wirkt auf das Publikum und umgekehrt. Bilder einer in der Tat grausamen Realität von den Opfern, die das Mitgefühl auch verdienen, sowie die täglich in uns auf allen Kanälen verbreiteten Bilder und Nachrichten verstärken die Konzentration auf den Drang zum sofortigen Handeln. Der natürliche Drang zum sich Heraushalten aus kriegerischen Situationen kommt mit dem Drang zum Handeln in Kollision – das Gefühl einer Bedrohung steigt an.
Gleichklang wird Pflicht – nur keine echten Gewissensbisse
Die Grenze zwischen moralisch und amoralisch wird im Kriegsmodus sehr verschoben. Hier braucht das sich regende Gewissen Bestärkung. Es müssen neue Normen gebildet werden.
Zeitungen, Radio, Fernsehen und ihre Redakteure oftmals im Wechselspiel mit den einzelnen Politikern im Rampenlicht tragen das ihre zu den sich schleichend veränderten Normen bei.
Emotionalisierung hilft bei der Entscheidung zum Krieg. Der Beginn eines Krieges braucht immer eine Begründung, die das Herz erreicht. Emotionalisierende Bilder schreien nach einem militärischen Eingreifen. Die Vernichtung des Feindes wird zum Ziel erklärt. Kollateralschäden werden als das kleinere Übel betrachtet. Das Gewissen kann nicht mehr anders. Es muss geholfen werden und zwar sofort. In Umkehrung besteht die Tendenz alle Andersdenkende mit dem Urteil zu überziehen, sie tragen Schuld an diesen Bildern.
Gleichzeitig muss das sich rührende Gewissen beruhigt werden. Dem Krieg nicht dienliche Argumente und Handlungen haben die Tendenz Aggressionen auszulösen. Sie wecken nur unnötige Schuldgefühle und ziehen die eigene Haltung in Zweifel. Der kriegerische Impuls verträgt eigentlich keine Zwischentöne. Entweder Du bist dafür und mein Freund oder dagegen und mein Feind.
Mut zur Erkenntnis
Als Individuum – egal, ob wir für oder gegen Krieg oder nur für ein bisschen Krieg sind – sollten wir ehrlich auch zu uns selbst sein und unsere eigenen Mechanismen im Umgang mit unseren Schattenseiten erkennen. Nur dies kann zu reifen Entscheidungen beitragen.
